Erfolgreiche Auftaktveranstaltung der Wochen der Pflege im Landkreis Freudenstadt
Wenn Erinnerungen verblassen, bleiben die Gefühle
140 Besucher erlebten in der voll besetzten Waldlust in Freudenstadt das bewegende Theaterstück „Über das Vergessen“. Die Aufführung machte eindrucksvoll deutlich, was eine Demenzerkrankung für Betroffene und Angehörige bedeutet. Landrat Andreas Junt eröffnete als Schirmherr den Abend und damit auch die Veranstaltungsreihe der Wochen der Pflege vom 5. bis 23. Oktober 2026.
Die geschichtsträchtigen Räume des einst glanzvollen Grandhotels Waldlust boten einen besonderen Rahmen für diesen Abend. Wo die Spuren vergangener Zeiten bis heute sichtbar sind, ging es um Erinnerungen, die langsam verblassen, um den Verlust von Vertrautem und um das, was trotz einer Demenzerkrankung bleibt: Gefühle, Nähe und Menschlichkeit.
Wenn das Vertraute langsam fremd wird
Im Mittelpunkt des Theaterstücks steht Klara, eine erfolgreiche und selbstständige Frau, die fest im Leben steht. Doch nach und nach gerät ihre vertraute Welt ins Wanken. Zunächst sind es kleine Unsicherheiten, vergessene Namen oder alltägliche Dinge, die plötzlich nicht mehr gelingen. Mit fortschreitender Erkrankung werden die Veränderungen immer einschneidender.
Das Publikum begleitet Klara auf diesem Weg und erlebt, wie sie zunehmend die Orientierung in ihrer eigenen Lebenswelt verliert. Besonders eindrucksvoll sind jene Szenen, in denen Klara sich selbst begegnet – der Frau, die sie einmal war, und jener, die sie durch die Erkrankung geworden ist. Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen, Erinnerungen tauchen auf und entgleiten wieder.
Auch Angehörige, Freunde und Pflegekräfte werden Teil der Geschichte. Wie verändert sich eine Beziehung, wenn gemeinsame Erinnerungen verloren gehen? Wie gelingt es, Nähe und Vertrauen zu bewahren, wenn Worte fehlen und gewohnte Abläufe nicht mehr funktionieren?
Das Improtheater Stuttgart näherte sich diesen Fragen mit viel Einfühlungsvermögen. Ernste und bewegende Szenen wechselten sich mit feinem Humor und Momenten überraschender Leichtigkeit ab. Immer wieder griff das Ensemble Alltagssituationen auf, die vielen Menschen vertraut sind: die verlegte Brille, ein vergessener Name oder der Gedanke, der mitten im Satz verloren geht. Das Theaterstück führte in sieben Akten vor Augen, wie die Demenz Zug um Zug das Leben von Klara und ihrer Familie völlig verändert und beherrschen möchte.
Mit ausdrucksstarkem Schauspiel, Masken und einer bewusst reduzierten Bühnengestaltung gelang es den Schauspielerinnen und Schauspielern, Klaras veränderte Wahrnehmung und die damit verbundenen Gefühle für das Publikum nachvollziehbar zu machen.
Die Aufführung machte deutlich, dass Demenz weit mehr ist als eine medizinische Diagnose. Die Erkrankung verändert nicht nur das Leben der Betroffenen, sondern auch das ihrer Familien und ihres sozialen Umfelds. Sie bringt Unsicherheit, Hilflosigkeit und oftmals große emotionale Belastungen mit sich. Gleichzeitig vermittelte das Stück eine hoffnungsvolle und wichtige Botschaft: Ein Mensch ist weit mehr als seine Erkrankung. Auch wenn Erinnerungen verloren gehen und vertraute Fähigkeiten nachlassen, bleiben Gefühle, Bedürfnisse und der Wunsch nach Nähe, Geborgenheit und Zuwendung bestehen.
Mit diesem bewegenden Theaterabend gelang dem DemenzNetz Landkreis Freudenstadt ein eindrucksvoller Auftakt zu den Wochen der Pflege 2026.