Bislang unbekannter Brief von Julius Euting im Kreisarchiv entdeckt

Kreisarchiv Freudenstadt präsentiert außergewöhnlichen Archivfund beim Julius-Euting-Mokka am Ruhestein

Teilnehmer halten Kopien, Kreisarchivar bei der Begrüßung
Von links: Frank Lemmerund Benjamin Binder.mit einer Abschrift des aufgefundenen Briefs und Kreisarchivar Dr. Louis-David Finkeldei bei der Begrüßung der Teilnehmenden auf dem Ruhestein. (Bildquelle: Jürgen Schnurr)

Im Rahmen des diesjährigen Julius-Euting-Mokkas am Ruhestein am 11. Juli stellte Kreisarchivar Dr. Louis-David Finkeldei erstmals einen bislang unbekannten Brief des Orientalisten und Schwarzwaldfreundes Julius Euting vor. Die traditionsreiche Veranstaltung erinnert jedes Jahr am Geburtstag Eutings an den Gelehrten, der testamentarisch verfügt hatte, dass an seiner Grabstätte am Ruhestein arabischer Mokka ausgeschenkt werden soll.

Im Mittelpunkt des Vortrags stand ein eigenhändig verfasster Brief Julius Eutings vom 29. November 1911. Das sechsseitige Schreiben war im Zuge der Erschließung der Bestände von Archivmitarbeiterin Margarete Nübel im Kreisarchiv Freudenstadt aufgefunden worden. Es entstand im Zusammenhang mit einem Konzessionsverfahren für das Forsthaus Rotmurg. Dessen Forstwart Jakob Friedrich Traub hatte die Erteilung einer ganzjährigen Schankkonzession beantragt, stieß damit jedoch auf den Widerstand der Gemeinde Baiersbronn.

In seinem Brief setzt sich Julius Euting gegenüber dem Oberamt Freudenstadt nachdrücklich für Traubs Anliegen ein. Bemerkenswert ist dabei vor allem seine Begründung: Der international bekannte Orientalist argumentiert nicht mit seiner wissenschaftlichen Autorität, sondern mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung als Wanderer im Schwarzwald. Seit 1851 habe er die Region zu allen Jahreszeiten durchstreift und den Wandel des Schwarzwalds aus eigener Anschauung erlebt.

Der Brief macht eindrucksvoll deutlich, wie eng Julius Euting mit dem Schwarzwald verbunden war. Zugleich dokumentiert er den tiefgreifenden Wandel der Region um 1900, als sich der Schwarzwald zunehmend zu einer Tourismus- und Wintersportlandschaft entwickelte.

Ein Beitrag zum Brief erscheint in der nächsten Ausgabe der Freudenstädter Heimatblätter. Darin wird die Quelle vollständig wiedergegeben und ihre Bedeutung für die Geschichte des Schwarzwalds sowie für das Wirken Julius Eutings näher beleuchtet.