Neue Quellen zur französischen Besatzungszeit im Raum Horb erschlossen
Kreisarchiv macht bedeutenden Bestand zur Nachkriegs-zeit zugänglich
Die Jahre der französischen Besatzung nach dem Zweiten Weltkrieg zählen zu den prägendsten, zugleich aber auch zu den bislang weniger erforschten Kapiteln der Regionalgeschichte. Mit dem allmählichen Wegfall der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gewinnen die Quellen in den Archiven zunehmend an Bedeutung. Umso wichtiger ist es, die schriftliche Überlieferung dieser Zeit zu sichern, zu erschließen und zugänglich zu machen.
Das Kreisarchiv Freudenstadt hat nun einen bedeutenden Bestand zur Nachkriegs- und Besatzungszeit erschlossen. Die Unterlagen des ehemaligen Requisitionsamtes Horb dokumentieren die Auswirkungen der französischen Besatzung im Raum Horb und stehen der Forschung ab sofort in erschlossener Form zur Verfügung. Mit einer Laufzeit von 1945 bis 1959 zählt der Bestand zu den wichtigsten Quellen für die Erforschung dieser Epoche in der Region. Er gibt Antworten auf Fragen wie: Welche Gebäude und Fahrzeuge wurden von der Besatzungsmacht in Anspruch genommen? Welche Waren mussten abgegeben werden? Wie wurden die Betroffenen entschädigt?
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gehörte der Landkreis Horb zur französischen Besatzungszone. Die französischen Streitkräfte griffen in erheblichem Umfang auf Gebäude, Grundstücke, Fahrzeuge, Waren und andere Ressourcen zurück. Für die Organisation dieser sogenannten Requisitionen sowie für die Bearbeitung von Entschädigungsansprüchen war das Requisitionsamt zuständig, das zunächst als „Amt für Verteidigungslasten“ eingerichtet worden war. Die Unterlagen spiegeln die Herausforderungen der unmittelbaren Nachkriegszeit wider und erlauben zugleich Einblicke in das Verhältnis zwischen Besatzungsmacht, Behörden und Bevölkerung.
Den Schwerpunkt des Bestandes bilden die umfangreichen Requisitionsakten. Sie dokumentieren die Beschlagnahmung und Nutzung von Immobilien, Grundstücken, Fahrzeugen und Waren, aber auch alltäglicher Gebrauchsgegenstände wie Bettwäsche oder Schreibmaschinen. Ergänzt werden sie durch Unterlagen zu den Besatzungsstreitkräften, Entschädigungszahlungen und Personalangelegenheiten. Dadurch entsteht ein außergewöhnlich dichtes Bild der Lebenswirklichkeit während der französischen Besatzungszeit. Für die Erforschung einzelner Gemeinden, Unternehmen, Familien oder Gebäude eröffnet der Bestand zahlreiche neue Perspektiven.
Die Erschließungsarbeiten wurden im Frühjahr 2026 von der Auszubildenden Mia Renschler unter Anleitung von Kreisarchivar Dr. Louis-David Finkeldei sowie Archivmitarbeiter Lukas Friedel abgeschlossen. Dabei wurden die Unterlagen geordnet, verzeichnet, entmetallisiert und archivgerecht verpackt. Der Bestand umfasst heute 190 Verzeichnungseinheiten mit einem Umfang von 7,8 laufenden Metern. Mit der abgeschlossenen Erschließung steht nun ein zentraler Quellenbestand zur Geschichte der französischen Besatzungszeit im Raum Horb für historische Forschungen, heimatkundliche Arbeiten und genealogische Recherchen zur Verfügung.
