Gemeinden Seewald und Waldachtal mit dem höchsten Photovoltaik-Zubau pro Ein-wohner

Bei der Preisverleihung bei der Pfeifle-Holz GmbH & Co. KG (von links): Bürgermeister Dominik Damrath (Gemeinde Seewald); Geschäftsführer Thomas Pfeifle (Pfeifle-Holz GmbH & Co. KG); Erster Landesbeamter Reinhard Geiser; Matthias Pfeifle (Pfeifle-Holz GmbH & Co. KG); Ehrenamtlicher Bürgermeisterstellvertreter Dieter Fischer (Gemeinde Waldachtal); Lene Steffen (Klimaschutzmanagerin Landkreis Freudenstadt) - Bildrechte: Landratsamt, Christine Lucha

Das PV-Netzwerk Nordschwarzwald hat unter anderem im Landkreis Freudenstadt bereits 2020 eine Solarkreisliga gestartet. Nach der Gesamtwertung des Jahres 2025 konnte die Gemeinde Seewald das Rennen mit 258 Wattpeak (Wp) Zubau pro Einwohner/in für sich entscheiden, gefolgt von der Gemeinde Waldachtal mit 199 Wp Zubau pro Einwohner/in.

Die Solarkreisliga basiert auf der gesamten installierten PV-Leistung sowie dem jährlichen Zubau auf Dächern und Balkonen, umgerechnet auf die Einwohnerzahl jeder Kommune. So lassen sich Regionen unterschiedlicher Bevölkerungsdichte und Größe fair miteinander vergleichen. Grundlage für die Datenermittlung sind das Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur und die Erhebungen der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg.

Auffällig ist, welche Rolle Großanlagen bei den Top-Platzierten spielen. So hat die Pfeifle-Holz GmbH & Co. KG mit der Errichtung einer 374 kWp-Anlage auf ihrem Firmengebäude im Schorrental einen entscheidenden Beitrag für die Gemeinde Seewald geleistet. Dies zeigt, welche besondere Rolle Unternehmen, hier im Bereich der Holzverarbeitung, beim Ausbau der Solarenergie durch ihre großen Dachflächen zukommt. Auch die PV-Installation auf gemeindeeigenen Dachflächen kann zur Belegung der vorderen Plätze verhelfen, wie die Gemeinde Waldachtal eindrücklich zeigt. So wurden im Jahr 2025 vier Anlagen auf den Dächern des Bauhofs, der ehemaligen Feuerwehrgarage Oberwaldachtal sowie des Kinderhauses im Himmelreich mit einer Bruttogesamtleistung von 406 kWp installiert.

Er freue sich, die Anstrengungen der Kommunen, Privatpersonen und Unternehmen zum Solar-Ausbau auch anlässlich der Preisverleihung zu würdigen, so der Erste Landesbeamte des Landkreises Freudenstadt, Reinhard Geiser. Gerade in Zeiten knapper Kassen sei der Landkreis auf kreative Beiträge unter anderem der Akteure aus der Wirtschaft angewiesen, um die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Maßnahmen des Landkreises, wie z. B. der Solaratlas oder auch das ÖPNV-Taxi leisteten weitere Beiträge und würden kontinuierlich im Sinne der Effizienz weiterentwickelt. Und das Feiern der Erfolge dürfe bei all dem nicht vergessen werden, so Geiser abschließend.

Die Freude über den Siegerpokal für das Jahr 2025 in Seewald sei groß und belege die Vorreiter-Rolle von Seewald in Sachen Energiewende. Die Klimaschutzziele habe seine Gemeinde bereits bei Weitem übertroffen, so Bürgermeister Dominik Damrath. Sein Dank gelte insbesondere auch dem Sägewerk Pfeifle-Holz, das den Mut gehabt habe, trotz zum Teil hoher bürokratischer Hemmnisse innovativ zu handeln und Projekte wie die Installation der Photovoltaikanlage konsequent umzusetzen. Damrath unterstrich, dass er sich auch künftig für spürbare Bürokratieentlastungen einsetzen wolle, damit Unternehmen mehr Handlungsfreiheit für ihre Entscheidungen erhielten.

Es freue ihn, dass die Gemeinde Waldachtal in der Solarkreisliga erfolgreich mitspiele, so Dieter Fischer, stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Waldachtal. Auch für Waldachtal sei CO2-Einsparung kein abstrakter Begriff, sondern aktive Gestaltung der Zukunft, so Fischer weiter. Seit über 10 Jahren setzten Verwaltung, Kommunalpolitik und Zivilgesellschaft, darunter vor allem Vereinsvertreter, gemeinsam Maßnahmen zur Energiesenkung und Umstellung auf erneuerbare Energien um; hierfür brauche es Mut, Zeit, Geduld und Überzeugungskraft. Gestalten statt Abwarten sei die Devise, dies gebiete die Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen und die wirtschaftliche Vernunft.

Der Familienbetrieb Pfeifle-Holz GmbH & Co. KG kann durch die Errichtung der 374 kWp-Anlage circa 13 % seines eigenen Strombedarfs decken; man rechne mit einer Amortisationszeit von rund acht Jahren, etwas länger als vergleichbare Anlagen aufgrund der Tallage. Der Weg zur Inbetriebnahme der PV-Anlage sei allerdings kein Spaziergang gewesen, so Geschäftsführer Thomas Pfeifle. Hauptmotivation seien die ab 2023 massiv gestiegenen Strompreise gewesen. Ursprünglich geplant sei eine PV-Anlage mit einer Leistung von 512 kWp gewesen; am Ende des gut zwei Jahre dauernden Prozesses habe man nur eine abgespeckte Version mit einzeln abschaltbaren Glas-Glas-Modulen realisieren können. Hürden habe es vor allem im Bereich des Versicherungsschutzes und der Netzanbindung gegeben. An den fünf Arbeitstagen in der Woche werde der PV-Strom fast zu 100% selbst verbraucht; an den Wochenenden könne der Strombedarf des durchlaufenden Betriebs von acht Trockenkammern (ca. 80 kWh) während der Sonnenstunden durch die PV-Anlage abgedeckt werden. Der Überschuss werde jedoch unentgeltlich ins Netz eingespeist und belaufe sich in den ersten sechs Monaten seit Inbetriebnahme der Anlage auf rund 22.000 kWh, so Pfeifle.

Das PV-Netzwerk wolle mit der Solarkreisliga Erfolgsfaktoren für Solarstrom bekannter machen und stehe den Akteurinnen und Akteuren zudem unterstützend zur Seite, so die Klimaschutzmanagerin des Landkreises Lene Steffen. Nach aktueller Aussage des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg liege Baden‑Württemberg hinter dem notwendigen Ausbaupfad für die Photovoltaik zurück. Sollte der stockende Ausbau auch 2026 anhalten, seien die Landesziele Baden‑Württembergs bis 2040 gefährdet. Auch vor diesem Hintergrund freue sie sich über Unternehmen, Privatpersonen und Kommunen, die den Ausbau auch unter erschwerten Bedingungen vorantreiben. Sie halte es für besonders zielführend, wenn Klimaschutz, soziale Verträglichkeit und wirtschaftliche Stabilität gemeinsam und verantwortungsvoll betrachtet werden.

Kontakt und weitere Informationen:

Photovoltaik-Netzwerk Nordschwarzwald für den Landkreis Freudenstadt,Landkreis Freudenstadt, Klimaschutzmanagement, Lene Steffen, +49 7441 920-1748, steffen@kreis-fds.de und Energieagentur in Horb gemeinnützige GmbH, +49 7451 5529979, info@eainhorb.de, Photovoltaik-Netzwerk Nordschwarzwald (photovoltaik-bw.de) 
Erste grundlegende Informationen zum Photovoltaik-Netzwerk Baden-Württemberg gibt es unter www.photovoltaik-bw.de